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Tel Aviv: Schwäbische Häuslebauer in Sarona

Aktualisiert: Mai 16

Die etwa 5,000 Mitglieder große pietistische Gesellschaft der Templer aus Württemberg wurde 1858 aus der lutherischen Kirche ausgeschlossen.


Aus Ihrer Sicht war Jesus ein Mensch, der ein Lehrmeister und vom Geist Gottes durchdrungen war, und nicht der Gottessohn. Sie glaubten, dass die Erlösung der Seele im Heiligen Land begann, und beschlossen hier zu siedeln.


Die Gründer


1862 schickten die Templer eine Pioniertruppe vor, um die Situation in Palästina zu überprüfen, angeführt von Christoph Hoffmann und Georg David Hardegg. Ihr Plan war es, in Jerusalem und Nazareth Templerkolonien zu errichten, aber es schien nicht sicher genug zu sein.


Christoph Hoffmann erwarb das Land 1871, nachdem er die Türken nicht davon überzeugen konnte, die Grundstücke den Templern kostenlos zur Verfügung zu stellen. Er hatte diesen Hügel gewählt, einen von drei im Sand- und Feuchtgebiet bei Jaffa, da hier Vögel sangen - wo Malaria vorherrscht, sind keine Vögel zu hören. Der Name Sarona leitet sich von Sharon ab, die Region zwischen Herzlia und Hadera - die Templer waren mit den geografischen Regionen Palästinas einfach nicht vertraut.


Die ersten 18 Familien, alle der oberen Mittelklasse angehörend, kamen an und die Siedlung wurde von den schwäbischen Häuslebauern wie das Templer-Kreuz angelegt.


Die Häuser waren ein- oder zweistöckig, mit frommen Inschriften über  den Tür- und /oder Fensterrahmen und dem Baujahr - wie in Deutschland. Sie hatten ein Spitzdach mit roten Dachziegeln  - für den Schnee der hier nicht fällt, und die Fenster waren nach Süden ausgerichtet - um mehr Sonne zu haben.....


Hinter dem Haus, innerhalb des eingezäunten Hofes, befanden sich die Wirtschaftsgebäude und Tiere, sowie Gärten mit Gemüsebeeten und Obstbäumen, insbesondere Zitrusfrüchte.


Die Templer bauten keine typischen Kirchen, ihre Gebete wurden zu Hause oder im Gemeindehaus abgehalten. Sie waren der Ansicht, dass das Gebet und nicht der Ort des Gebets wichtig sind.


Im Gegensatz zu Haifa und Jaffa, die hauptsächlich Handel und Tourismus betrieben, war Sarona ein Bauerndorf. Es hatte eigene Weinberge, eine Motor-betriebene Olivenpresse, einen Schlachthof und Kühlräume. Den Schweinen ging es in Sarona nicht gut, sie litten wie viele der Siedler an Malaria. In den Läden wurden Waren verpackt übergeben und kein Feilschen um den Preis.


Später gedieh die Gemeinde und diente jüdischen Siedlern als Vorbild. Sie verkauften Obst und Gemüse an jüdische Einwanderer, und in der Bierbrauerei und im Café Günther gab es samstags Tanzmusik mit jüdischen Gästen.


Der Weinbau war die Haupteinnahmequelle und 1891 wurde eine Weinkellerei gegründet, 1898 kam die Zweite hinzu. Anfang des 20. Jahrhunderts waren beide Weinkellereien durch einen Tunnel verbunden.


Erster und Zweiter Weltkrieg


Nachdem die Britische Armee im Ersten Weltkrieg die Osmanen besiegt hatten, wurden die Templer  in ein ägyptisches Internierungslager deportiert, denn sie waren solidarisch mit den Osmanen. Einige Jahre später kehrten die Templer zurück.


Aber mit dem Aufkommen der NSDAP schloss sich die junge Templer Generation den Nazis an, Hakenkreuzflaggen wehten in Sarona und den anderen Siedlungen, sie meldeten sich freiwillig zur Wehrmacht, hier war die größte NSDAP Auslandsorganisation! Gemeinsam mit den Arabern attackierten sie jüdische Geschäfte und Juden.  Ab 1939 internierten oder deportierten die  Briten die Templer als feindliche Ausländer.


Im Januar 1948 wurden 20 unbrauchbare Auster-Flugzeuge von den Briten gekauft und in einer geheimen Mission zur Weinkellerei gebracht, dort wurden sie in 15 Einsatzflugzeuge umgewandelt - die erste Flugzeugwerft der israelischen Luftwaffe.


Die zweite Weinkellerei beherbergte die Rekord Druckerei und mit den ausrangierten Geräten wurden 1948 die ersten israelischen Briefmarken gedruckt, Münzen geprägt, und die Staatsanleihen gelagert.


Nach dem Zweiten Weltkrieg verwandelten die Briten das Dorf in ihr militärisches Hauptquartier. Von hier aus handelten sie gegen die jüdischen Einwandererschiffe, die mit Holocaust-Überlebenden beladen waren und versuchten, die Küste von Tel Aviv zu erreichen.


Ha'Kiriya und die Staatsgründung Israels

Ende 1947 übergaben die Briten die Basis an die jüdische Hagana, und ab Juni 1948 übernahmen die soeben geborene israelische Regierung, die Armee und der Geheimdienst die gut befestigte Basis, und machten sie im Laufe der Jahre zu ihrem Nervenzentrum. Bekannt war dieser abgesperrte Bereich als "Ha'Kiriya" - übersetzt so ungefähr das Camp.


Nachdem Geheimdienst und Armee aus dem Großteil der Gebäude ausgezogen war, wurden für einige Jahre unter Leitung schwäbische Handwerker die Gebäude entkernt, und massiv restauriert. Im Jahr 2014 wurde Sarona dann als Restaurant- und Geschäftsviertel als eine grüne Oase inmitten Tel Avivs eröffnet.


Schon mal etwas von der American Colony, und späteren deutschen Templer Kolonie, in Jaffa gehört? Hier gibt es die Infos dazu einschließlich zahlreicher Fotos:

https://www.israel-reiseleiter.com/post/die-american-colony-in-jaffa


Darf ich Sie einladen sich meine Touren Tel Aviv-Jaffa anzusehen?


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