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Corona Krise – nicht Kopf in den Sand stecken!

Aktualisiert: Okt 12

„Kopf in den Sand stecken? Das mache ich niemals im Leben“ sagt so ein komischer Vogel.


Natürlich ist hier die Rede vom Strauß, der auch mehrfach in der jüdischen Bibel, dem Tanach, und im Alten Testament erwähnt ist.

Nicht nur in biblischen Zeiten lebte der Arabische Strauß im Nahen Osten, erst vor 75 Jahren wurden die letzten Tiere in Saudi Arabien erschossen, und 1966 ertrank wohl das letzte lebende Exemplar bei einer Überflutung in Jordanien. Als Lieferant von Fleisch, Leder, Eiern und Federn wurde der Laufvogel bis zum Aussterben von den Briten und Arabern gejagt.


Vogel Strauß im Judentum versus Zoologie

Im Judentum ist der Strauß nicht koscher, denn in 3 Moses 11:13-16 steht geschrieben das man den Strauß verabscheuen soll, und in 5 Moses 14:12-15 wird er ausdrücklich als unrein bezeichnet.

Allerdings kommt in der Bibel unser Strauß nicht gut weg, er wird als jämmerlich schreiender Wüstenbewohner charakterisiert. In Hiob 30:29 beschreibt sich der gottesfürchtige Mann in seinem Unglück als einen Gesellen der Strauße. Hier ist der Vogel der Metapher für soziale Isolation, für Trauer und Klage. Das Rufen des Straußes klingt wie das Weinen und Klagen Hiobs.

Und weiter geht es im Hiob 39:13-18 „Wenn die Straußenhenne in die Höhe schnellt, lacht sie über Ross und Reiter. Sie überlässt ihre Eier der Erde und hält sie warm im Staub und vergisst, dass ein Fuß sie zerdrücken und ein Tier sie zertreten kann. Hart ist sie zu ihren Jungen, als wären es fremde, es kümmert sie nicht, wenn ihre Mühe umsonst war. Denn Gott hat ihr die Weisheit versagt und ihr keinen Anteil an Einsicht gegeben.“

Ja, man sollte Vorsicht walten lassen bei Vogel Strauß, denn ein kräftiger Stoß mit dem Schnabel kann zu schmerzhaften Verletzungen führen, ein Fußtritt ist durchaus tödlich – für Menschen und Löwen! Und mit 70 km/h überholt er selbst Rennpferde – also weglaufen klappt nicht. Vielleicht auch dies ein Grund warum der Strauß nicht koscher ist, denn es war gefährlich ihn zu jagen.

In dem mit Sand bedeckten Nest liegen so um die 20 Eier, die der Haupthenne, und ein Teil davon auch von den Haremsdamen. Das Brutgeschäft übernimmt überwiegend der Hahn, nach dem Schlüpfen bleibt der Papa bei seinen Jungen bei Gefahr. Hier hat die Bibel nicht Recht, denn Strauße verteidigen ihre Nester und Küken vehement und erfolgreich gegen Löwen, Leoparden, Hyänen, aber auch achtlosen Grasfressern, die Eier oder Küken gefährden könnten.

Mit der Weisheit ist das so eine Sache: Zu sagen „du hast ein Straußen-Gehirn“ wäre definitiv kein Kompliment, denn im Vergleich zum Gewicht von 90 bis 150 kg, ist das Gehirn mit etwa nur 40 g schon sehr klein ausgefallen (Mensch um die 1,4 kg) ….

Im Klagelied 4.3 heißt es „auch Schakale reichen ihren Jungen die Brüste und säugen sie; aber die Tochter Zions ist unbarmherzig wie ein Strauß in der Wüste.“ Auch hier wird auf das Klischee hingedeutet, das Mütter sich um den Nachwuchs zu kümmern hätten, und nicht die Väter wie bei den Straußen.

Im zerstörten Babel „suchen wilde Wüstentiere zwischen den Trümmern Unterschlupf. Eulen bevölkern die ehemaligen Wohnhäuser. Strauße leben dort“ (Jesaja 13:21). Und auch in Jeremia 50:39 wird über Babel und die Strauße ähnlich geschrieben. In Edom „werden Dornen wachsen in seinen Palästen, Nesseln und Disteln in seinen Schlössern; und es wird eine Behausung sein der Schakale und eine Stätte für die Strauße.“ (Jesaja 34:13) Auch hier ist der Strauß als Symbol für Zerstörung, Ödland und Elend.

Unheil kommt über die Städte Judas, und Micha „muss klagen wie die Schakale und jammern wie die Strauße“ (Micha 1:8) – hier wird auf den fast grunzenden und knurrenden Ruf des Straußes eingegangen.

Aber am Ende wird alles gut, denn Gott spricht: „Die Tiere des Feldes werden mich ehren, die Schakale und die Strauße, denn in die Wüste bringe ich Wasser“ (Jesaja 43:20). Vielleicht bezieht sich die Vision unseres Staatsgründers David Ben-Gurion, die Negev-Wüste zu begrünen genau hierauf.

Der Strauß und das Christentum

In orthodoxen Kirchen gehören Straußeneier zum Interieur: Ein Strauß, der seine Eier behüte und auch in Gefahr nicht von ihnen weiche, sei eine Lehre für Priester, ihre Schäfchen nicht aus dem Blick zu verlieren.

So wie der Vogel seine im Sand vergrabenen Eier nicht aus dem Blick verliert, möge der Gläubige beim Gebet seine ungeteilte Aufmerksamkeit Gott zukommen lassen.

Im christlichen europäischen Mittelalter konnte dasselbe Bild gegenteilig interpretiert werden, indem der Strauß seine vergrabenen Eier vergisst und so zum Sünder wird, der seine Pflichten gegenüber Gott vernachlässigt.

Strauße heute in Israel

Der ausgestorbene Arabische Strauß (Struthio camelus syriacus) lebte einst in Westasien und im gesamten Nahen Osten, einschließlich dem biblischen und heutigen Israel. Genetisch, und auch im optischen Erscheinungsbild ist der Nordafrikanische Strauß (Struthio camelus camelus) ihm am nächsten. nur ist dieser insgesamt größer und kräftiger als der Arabische Strauß gewesen ist.

In Hai-Bar Yotvata, 40 Kilometer nördlich von Eilat, begann man 1973 den ebenfalls vom Aussterben bedrohten Nordafrikanischen Strauß zu züchten, mit der Absicht sie aus zu wildern – so zu sagen als Ersatz für den ausgerotteten Arabischen Strauß.

Nachdem man die ersten Strauße hier wortwörtlich in die Wüste schicken wollte, stellte sich heraus dass man diese Gesellen nicht auf die Menschheit loslassen kann. Die Strauße haben sich zu rotzfrechen Vögeln gemausert. Es wäre einfach viel zu gefährlich sie selbst in dünn besiedelten Gebieten in der Negev Wüste aus zu wildern, denn Angriffe auf Menschen wären vorprogrammiert. Jeder der mit seinem Auto durch Hai Bar fährt kennt es, Strauß geht nicht zur Seite um Auto vorbei zu lassen, und wenn er etwas fressbares durch die Schreibe entdeckt attackiert er mit Schnabel, und eventuell sogar mit Fußtritten das Auto. Bei mir hat sich vor Jahren mal ein Strauß im Winter auf die warme Motorhaube zwecks Popo-wärmen gesetzt!!!


Kopf in den Sand stecken

Im Deutschen gibt es den Ausspruch der“ Vogel-Strauß-Politik“, denn angeblich stecke der Strauß einfach den Kopf in den Sand, um die nahende Gefahr nicht sehen zu müssen. Das ist allerdings völliger Unsinn.


Brütende Strauße legen sich bei nahender Gefahr oft auf den Boden, Hals und Kopf dabei gerade ausgestreckt. Aber die 5 cm großen Augen des Vogels sind wachsam! Da aus der Ferne durch flirrende Luft über heißem Steppenboden eine optische Täuschung entsteht, ist der Kopf dann nicht mehr sichtbar, und dies könnte zur Legende geführt haben.


Und somit trotz Corona Krise, genau wie die Strauße, stecke ich meinen Kopf niemals in den Sand!


Möchte Sie einladen sich auch meine weiteren, zum Teil auch tierischen Blog-Beiträge zu lesen, und sich auch meine Städtetouren in Jerusalem und Tel Aviv anzusehen.


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