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Jugendstil in Tel Aviv: Bezalel Kacheln

Aktualisiert: Nov 23

Wer heute durch die Straßen des alten Gründungsviertels von Tel Aviv schlendert, sieht hier und da farbenfrohe Kacheln an den Hausfassaden – die Bezalel Kacheln des Jugendstils.

Im Jahr 1924 wurde an der Bezalel Akademie für Kunst und Design ein Keramikstudio gegründet. Dies war die Geburtsstunde der "Bezalel Kacheln", die in den zwanziger Jahren die Straßen und Häuser Tel Aviv zierten. Der weniger bekannte Maler und Bildhauer Boris Schatz gründete kurz vor Ende der osmanischen Herrschaft die Kunstschule Bezalel in Jerusalem. Hier wurde Schatz zu einem der wichtigsten frühen Kunstlehrer in der Heiligen Stadt. Heute ist die Bezalel-Akademie die größte Design- und Kunsthochschule im gesamten Nahen Osten. Woher stammt der Name Bezalel? Bezalel war der erste biblische Architekt und Designer, der die göttliche Berufung zum Bau der Stiftshütte erhielt (Exodus 31:1 und 35:30).


Unter der Leitung von Boris Schatz wurde ein Studio für Malerei auf Porzellan eröffnet. Hieraus entwickelte sich dann die Malerei auf Wand- und Fußbodenfliesen, die vom Jugendstil beeinflusst wurde. Die Kacheln wurden aus England und Deutschland importiert, und nach dem Bemalen glasiert und gebrannt. Die Motive der Kacheln wurden von der jüdischen Tradition der Bibel und des Zionismus beeinflusst - es wurden Tiere, Pflanzen und Landschaften des verheißenen Landes abgebildet. “Ebenso wurden Straßennamen auf Hebräisch, Englisch und Arabisch auf die Kacheln gemalt. Auch Hausbesitzer ließen sich auf diesen Kacheln samt ihrem Namen und dem Baujahr des Hauses verewigen. Die Farben waren kräftig, und die Ränder reich verziert.

Diese Abteilung der Bezalel Akademie musste allerdings 1929, nach nur fünf Jahren, seine Tore schließen. Die Bezalel-Kacheln waren kein Preis-Schnäppchen, und aufgrund der Rezession im britischen Mandatsgebiet Palästina war die Mittelschicht finanziell nicht mehr in der Lage, für solche kostspieligen Dekorationen Geld auszugeben.

In Jerusalem konnte diese Dekoration an und in den neuen Häusern nicht Fuß fassen. Denn schon vor 2000 Jahren sagte Jesus, dass der Prophet im eigenen Land nichts wert ist (Lukas 4:16). In der wenige Jahre vorher gegründeten, ersten zionistischen Stadt Tel Aviv war man begeistert von diesem letzten Chic aus Jerusalem. Die Kacheln wurden daraufhin ein Mode-Accessoire der Bauherren. Dutzende Kachelmotive zierten private und öffentliche Gebäude. Leider sind bei Gebäudeabrissen Jahrzehnte später mindestens 15 Häuser mit Kachelmotiven verloren gegangen. Noch schlimmer war es mit den Kacheln der Straßennamen, die man heute an einer Hand abzählen kann.

Hier ein paar gute Beispiele von Gebäuden mit den Bezalel Kacheln an den Wänden:

Ahad Ha’am 37 – Knabenschule


1924 als städtische Knabenschule erbaut, war dies das erste Gebäude, das die brandneuen Bezalel Kacheln an der Fassade zeigte. Bis heute ist es eines der eindrücklichsten Beispiele dieser Kunstform. Die Schule und die Straße wurden nach dem Zionistenführer, Journalisten, Schriftsteller und Ehrenbürger Tel Avivs Ahad Ha’am benannt.


Über der Eingangstür sind die 12 Stämme Israels in einer horizontalen Anordnung zu sehen, darüber die Stadt Jerusalem mit dem Psalm 137:5 „Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren“. An beiden Seiten sind auf blauem Hintergrund ein Paar geflügelter Löwen mit einer Menora in der Mitte zu sehen. Ganz oben sieht man eine Malerei nach dem Jesaja Zitat 11:6 „Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen“ - eine klare zionistische Message.

An der linken Fassadenseite sind Hebron mit den Gräbern der Patriarchen und Jaffas Altstadt dargestellt – die Geschichte von Volk und Land. An der rechten Seite sind Tiberias mit den Kibbutzim am See Genezareth und Haifa mit dem Technion zu sehen – die modernen zionistischen Zentren.

Ahad Ha’am 35 – Prophetenhaus

1925 wurde dieses Gebäude im eklektischen Stil (salopp gesagt ein Eintopf aus diversen Baustilen) als Geschäftshaus mit Wohnung im oberen Teil gebaut. An der Fassade befinden sich Medaillons, die König David und drei die Propheten Jeremia, Jesaja und Elija darstellen. Vor über 20 Jahren wurde das Gebäude von Grund auf saniert und es wurde ein neuer Teil mit Glasfassade darauf gebaut.

Allenby 116/Rothschild 29 – Lederberg Haus


Im Jahr 1922 erbauten die später mehr als stadtbekannten Bauhaus Architekten Joseph Berlin and Yehuda Magidovich diese Residenz im damals sehr verbreiteten eklektischen Stil und Elementen des Jugendstils.

Neu renoviert, glänzen die Kacheln mit den Motiven eines Hirten, Säer und Mann mit Sense, basierend auf Psalm 126:5 „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“. Ebenso ist eine eine Darstellung Jerusalems zu sehen - nach Jeremia 31:4 „Ich baue dich wieder auf, Tochter Zion".

Allenby 89, Moshav Zekenim Synagoge


Erbaut 1926 von dem etwas eigenwilligen Architekten Yehuda Magidovich, nagt leider der Zahn der Zeit unaufhörlich an der einst prachtvollen, aber heutzutage geschlossenen Synagoge. Tel Aviv wurde im Laufe der Jahrzehnte immer säkularer und Ihre Gotteshäuser immer leerer.


"Der Herr, dein Gott, führt dich in ein gutes Land. Ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Datteln gibt." (5 Moses 26:1). Auf den Kacheln links und rechts vom Eingang sind die Sieben Arten dargestellt, dazu auf der einen Seite die 12 Stämme Israels, und - oh Wunder - auf der anderen Seite die Sternzeichen. Was haben griechisch-heidnische Motive bitte an einer Synagoge zu suchen? Wer die etwa 1500 Jahre alten Synagogen von Beit Alpha und Hammat Tiberias im Norden Israels besucht hat, kennt die Antwort: Hat man von der christlichen Kultur abgekupfert!

Nahalat Binyamin 13 – Shmuel Levy Haus


Erbaut 1926 im eklektischen Stil als Geschäftshaus mit Laden im Erdgeschoß und nobler Wohnung im ersten Stock. „Und die Karawane zieht weiter“ scheinen die Kamele und Esel auszudrücken – zu dieser Zeit zogen noch Kamel-Karawanen am Strand von Tel Aviv entlang.


Selbstverständlich sind die Bezalel-Kacheln auch ein Teil meiner Tel Aviv Touren, bitte schauen Sie sich meine Stadtführungen einmal an.


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