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Synagogen im Israel Museum

Lernen Sie vier Synagogen aus drei Kontinenten im Israel Museum kennen: Die Vittorio Veneto Synagoge bei Venedig, die hölzerne Synagoge aus Horb, die Kadavumbagam-Synagoge aus Cochin, und die Tzedek ve-Shalom Synagoge aus Surinam.


Die Synagoge war und ist das Herz des jüdischen Lebens - Ort des Gebets und des Gottesdienstes, des Lernens und der Bildung, sowie Treffpunkt für soziale und kulturelle Aktivitäten. Die Diversität der Baustile spiegelt nicht nur den Einfluss der lokalen Kultur auf die jüdischen Gemeinden, sondern auch die Lebensbedingungen der Juden in den verschiedenen Länder wieder.



Vittorio Veneto Synagoge


Die Synagoge wurdeim Jahr 1701 in der Kleinstadt Vittorio Veneto bei Venedig erbaut. Über zweihundert Jahre lang diente sie einer kleinen aschkenasischen Gemeinde, die seit dem Mittelalter in iesder Gegend lebte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zogen die Juden in größere Zentren um, und ab Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Synagoge nicht mehr genutzt.

Die ursprüngliche Synagoge nahm das zweite und dritte Stockwerk eines einfachen Gebäudes ein. Diese Bescheidenheit war vor der Emanzipation der Juden Italiens üblich, bedingt durch örtliche Unterdrückung, und dem Versuch der Juden, nicht auf ihre Synagoge aufmerksam zu machen. Bescheiden sollten die Synagogen sein, um bei der christlichen Nachbarschaft kein Ärgernis zu erregen. Der Innenraum ist jedoch elegant im typisch italienischen Barockstil gestaltet, ähnlich einem Empfangszimmer in einem Adelspalast. Beispiele für diesen Stil sind der gebrochene Giebel des Tora-Schranks und die schimmernde Oberfläche seines geschnitzten Dekors. Die Innenausstattung ist typisch für italienische Synagogen: Die „Bima“ (Leseplatz/ Kanzel) bef8ndet sich in einer Nische gegenüber dem Tora-Schrank, und entlang der Wände sind Bänke aufgestellt. Die Dekoration lässt den Reichtum der Gemeinde erahnen, obwohl diese zahlenmäßig eher klein war. Auf der oberen Etage befindet sich die Frauenabteilung, die sich entlang aller vier Wände erstreckt und an Theatergalerien der damaligen Zeit erinnert.


Im Jahr 1965 wurde das Innere vollständig in das Israel Museum überführt, wo es originalgetreu rekonstruiert wurde. Die einzige Änderung ist die Ausrichtung der Synagoge: Aus baulichen Gründen ist der Tora-Schrank heute Teil der Nordwand, und nicht wie im Original nach Jerusalem ausgerichtet.


Horb Synagoge


Die jüdische Gemeinde von Horb, einem kleinen Dorf in der Nähe von Bamberg, baute 1735 eine Synagoge im oberen Stockwerk eines kleinen Holzhauses.

Der Tora-Schrank befand sich in einer Nische an der Ostwand, die „Bima“ stand in der Mitte des Raumes, und entlang der Wände waren Bänke angeordnet. Die Frauenabteilung war ein kleiner Raum an der Nordwand mit separatem Eingang, und die Frauen konnten durch ein Gitter in der Wand in die Haupthalle hinein schauen. Die ursprünglichen Wände waren vollständig mit kunstvollen Gemälden bedeckt, von denen einige noch erhalten sind. Die Motive beinhalteten Inschriften, mystische Kreaturen und Tiere (obwohl Tiermotive eigentlich in Synagogen nicht erlaubt sind).


Der Maler Eliezer Sussman war ein galizischer Künstler, der für die Dekoration einer Reihe von Synagogen in Polen bekannt war. Wahrscheinlich wurde er von der süddeutschen jüdischen Gemeinde eingeladen,die Synagoge von Horb künstlerisch zu gestalten. Sussman hat vier weitere Synagogen in Bayern dekoriert. Als einziges Zeugnis der Tradition der bemalten Holzsynagogen Süddeutschlands ist nur die Horber Deckenmalerei aus dem Jahr 1735 erhalten geblieben.

Nach 1864 wurde die Synagoge als Heuscheune genutzt - das trug ironischerweise zu ihrer Erhaltung bei. Heu bedeckte das ganze Gebäude und eine Anekdote besagt, dass ein Junge und sein Vater 1908 auf dem Land wanderten und der Junge das Gebäude betrat. Als er nicht zurückkam, ging der Vater hinein und entdeckte das Gemälde an der Wand.


Ein paar Jahre später wurde der Rest der Synagoge zur Verwahrung in das Kunstmuseum Bamberg überführt, und 1968 an das Israel Museum übergeben, wo die Synagoge ihre neue Heimat fand.



Kadavumbagam-Synagoge


Im 16. Jahrhundert wurde die Kadavumbagan Synagoge am Rande des jüdischen Viertels in der Stadt Cochin (Indien) erbaut – vermutlich auf den Ruinen einer vorigen Synagoge. Der etwas schwer aussprechbare Name bedeutet „neben der Anlegerstelle“.


Indiens jüdische Gemeinde ist etwa zweitausend Jahre alt, und im 14. Jahrhundert etablierte sie sich in Cochin und Umgebung mit insgesamt acht Synagogen, eine davon die Kadavumbagan Synagoge.

Die Synagoge war nordwestlich nach Jerusalem ausgerichtet. Die Inneneinrichtung bestand aus geschnitztem Holz und einer Decke mit Motiven, wie sie in den umliegenden Moscheen und Hindu-Tempeln zu finden waren. Das hinduistische Element zeigt sich in der Lotusdekoration und der ausgiebigen Verwendung der Farben Rot und Grün. Ein einzigartiges Merkmal aller Cochin-Synagogen ist, dass sie zwei „Bimot“ aufweisen. Eine für Schabbat und Feiertage auf der Galerie vor der Frauenabteilung, und durch ein Gitter von dieser getrennt. Die andere für das tägliche Gebet steht in der Mitte des Raumes. Die Holzbänke standen an den Wänden und um die „Bima“ herum. Der Boden war mit Teppichen oder Matten bedeckt, auf denen die Gläubigen barfuß gingen.


Die jüdische Gemeinde von Cochin war sehr divers, viele kamen aus Europa in die Handels- und Marktstadt. Die Juden behielten die Bräuche der Gemeinden aus denen sie kamen bei, und absorbierten jedoch auch die Gepflogenheiten in ihrer neuen Heimat: Eine Mischung aus orientalischen und europäischen Sitten.

In den frühen 1950er Jahren wanderten die meisten Cochin-Juden nach Israel aus, und der Tora-Schrank der Synagoge von Kadavumbagam wurde in den Moshav Nehalim gebracht - der von Juden aus Cochin gegründet worden war. Das Synagogengebäude, das später als Werkstatt zur Herstellung von Seilen genutzt wurde, war vom Abriss bedroht. 1991 wurde das Innere der Synagoge für das Israel Museum gekauft und zur Restaurierung und Rekonstruktion nach Jerusalem gebracht. Jedes Stück wurde zerlegt, konserviert und nummeriert - dabei wurden auch Jahrhunderte alte Farben wieder freigelegt.



Tzedek ve-Shalom Synagoge


Die 1736 in Paramaribo (Hauptstadt Surinams) gegründete sephardische Synagoge Tzedek ve-Shalom ist ein typisches Beispiel für spanische und portugiesische Synagogen in der Neuen Welt.


Mitte des 17. Jahrhunderts gehörten Juden spanischer und portugiesischer Herkunft, die während der Inquisition nach Holland geflohen waren, zu den frühen europäischen Siedlern der damaligen niederländischen Kolonie Surinam im tropischen Südamerika. Sie legten entlang des Surinam-Flusses Zuckerrohrplantagen an, denen sie biblische Namen gaben, und gründeten ein Dorf in der Savanne, dass sie „Jerusalem am Fluss“ nannten. Die Holländer nannten es kurz und einfach „Jodensavanne“, und bis heute ist es unter diesem Namen bekannt. Mitte des 18. Jahrhunderts zogen die meisten Juden nach Paramaribo um. Angekommen in einer für die Juden besseren Welt, nannten sie ihre Synagoge trefflicherweise Tzedek ve-Shalom - Gerechtigkeit und Friede.

Der Fußboden war aus feinsten weißem Sand. Der Sand ist typisch für die karibischen Länder, und symbolisiert die Diaspora: So wie die Kinder Israels durch den Wüstensand wanderten, bevor sie das gelobte Land erreichten, so auch heute die außerhalb Israels lebenden Exiljuden. Während der Inquisition wurden Spaniens und Portugals Juden gezwungen zu konvertieren, blieben aber ihrer Religion heimlich treu. Sie beteten im Geheimen und bestreuten den Boden mit Sand um ihre Schritte zu dämpfen. In Holland diente Sand dazu Böden sauber zu halten und heilige Räume vor Holzschuhenschützen. Somit gibt es mehrere Gründe für den Sandboden.


Es gab weniger als 1.000 Juden in Surinam, aber sie waren sehr erfolgreich, besaßen Zuckerplantagen und Sklaven. Hier war man stolz darauf ein Jude zu sein. Heute leben in Surinam weniger als 100 Juden.


Im Jahr 1992, zum 500-jährigen Gedenken an die Vertreibung aus Spanien, wurde die Synagoge ein letztes Mal genutzt. Das Israel Museum begann 1999 mit dem Abbau und der Verschiffung des Tora-Schranks, der Bima, der Messingkronleuchter, der Kandelaber und der Silber-Gegenstände.



Der Transfer der Synagogen ins Israel Museum war eine Rettung zwecks Erhalts jüdischer Geschichte und Kultur auf verschiedenen Kontinenten. Die Synagogen sind ein Teil der Abteilung über jüdische Kunst und Lebensweise, gleich neben der archäologischen Ausstellung. Darf ich Sie einladen sich meine Stadtführungen und Tagestouren anzuschauen?


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