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Die Menora bei der Knesset: 3.000 Jahre jüdische Geschichte in Bronze gegossen

Autorenbild: Israel Reiseleiter
Israel Reiseleiter
13. Sept.
4 Min. Lesezeit

Sie misst 4,30 Meter in der Höhe, wiegt 4 Tonnen und steht im Rosengarten direkt gegenüber der Knesset in Jerusalem: Die Knesset-Menora. Als siebenarmiger Kandelaber ist sie nicht nur das offizielle Wappen des Staates Israel, sondern auch eines der eindrucksvollsten Geschichtsdenkmäler des Landes. In ihren detailreichen Bronze-Reliefs spiegelt sich die gesamte Geschichte des jüdischen Volkes wider – von den biblischen Anfängen über das Exil bis zur Gründung des modernen Staates Israel.


Menora vor der Knesset, Jerusalem - private Stadtführungen auf Deutsch
Menora bei der Knesset

Die Bedeutung der Menora: Vom Wüstenstiftszelt zum Staatswappen

Die Geschichte der Menora reicht über 3.000 Jahre zurück. Im Buch Exodus (25:31-40) erhielt Mose auf dem Berg Sinai den genauen Bauplan für einen Leuchter aus reinem Gold. Während der 40-jährigen Wüstenwanderung trug das Volk Israel die Menora im Stiftszelt mit sich.


  • Erster Tempel: König Salomo ließ im Ersten Tempel in Jerusalem zehn goldene Leuchter aufstellen.

  • Zweiter Tempel: Nach der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil stand erneut eine Menora im Tempel. Als Herodes der Große den Tempel ausbaute, stellte auch er den Leuchter vor das zentrale Heiligtum.

  • Zerstörung im Jahr 70 n. Chr.: Nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer wurde die Menora als Beute nach Rom verschleppt. Das berühmte Relief auf dem Titusbogen in Rom zeigt diesen historischen Raubzug. Bis heute gilt der antike Goldleuchter als verschollen.


Die sechs Arme der Menora stehen traditionell für die sechs Tage der Schöpfung, während der mittlere Stamm den Schabbat symbolisiert. Seit 1949 bildet die Menora – gerahmt von zwei Ölzweigen, inspiriert durch die Vision des Propheten Sacharja (Zach 4,1-10) – das offizielle Wappen Israels.



Das Kunstwerk von Benno Elkan: Ein Geschenk des britischen Parlaments

Die Monumentalskulptur vor der heutigen Knesset wurde von dem aus Dortmund stammenden jüdischen Künstler Benno Elkan (1877–1960) geschaffen, der Ende 1934 vor dem NS-Regime nach London floh. Auf Initiative von Lord Edwin Samuel und unterstützt durch Spenden britischer Parlamentarier aller Parteien wurde das Kunstwerk 1956 an Israel übergeben – als „Geschenk des ältesten an das jüngste Parlament“ anlässlich des 8. Unabhängigkeitstages.


Auf den sieben Armen verarbeitete Elkan insgesamt 29 Reliefs. Die Aufteilung folgt einer tiefen Symbolik: Die sechs Seitenarme stehen für die Erfahrungen im Exil und die Geistesgeschichte, während der zentrale Stamm die Rückkehr ins Land und die Wiedergeburt Israels darstellt. Bildpaare auf gegenüberliegenden Armen bilden oft faszinierende Gegensätze – etwa die Zerstörung im Vergleich zur Erlösung.


Schmah Israel (Höre Israel) - das jüdische Glaubensbekenntnis auf der Menora an der Knesset, Jerusalem
Sch'ma Israel: Das jüdische Glaubensbekenntnis.

Die 29 Reliefs der Knesset-Menora im Detail

Linker Außenarm

  • Jesajas Friedensvision: Der Wolf wohnt beim Lamm (Jes 11,6-8) – Hoffnung auf universellen Frieden.

  • Jochanan ben Sakkai: Rettung des Judentums nach der Tempelzerstörung durch die Gründung der Akademie in Jawne.

  • Goldenes Zeitalter in Spanien: Blütezeit der jüdischen Kultur, Philosophie und Poesie im mittelalterlichen Al-Andalus.

  • An den Wassern Babylons: Trauer der Exilierten nach der Zerstörung des Ersten Tempels (Psalm 137).

Linker Mittelarm

  • Esra liest die Tora: Geistige Erneuerung beim Wiederaufbau des Zweiten Tempels.

  • Ijob (Hiob) und seine Freunde: Die Frage nach dem Leid und dem Glauben in Zeiten der Prüfung.

  • Talmudgelehrter: Die jahrhundertealte Tradition des Tora- und Talmudstudiums.

  • Aggada (Jüdische Legenden): Die Welt der Erzählungen, Ethik und Poesie.

Linker Innenarm

  • David mit Goliaths Kopf: Der Sieg des Glaubens und des Geistes über rohe Gewalt.

  • Alija / Ha'apala: Die Landung jüdischer Einwanderer und Flüchtlinge an den Küsten Israels.

  • Stammvater Abraham: Der Beginn des monotheistischen Glaubens und des Bündnisses.

Der zentrale Stamm (Wiedergeburt und Stärke)

  • Schlacht von Rephidim (Mose, Aaron & Hur): Mose hebt im Kampf gegen Amalek seine Hände empor (Exodus 17).

  • Die Zehn Gebote: Das moralische Fundament am Berg Sinai vor lodernden Flammen.

  • Rahel und Rut: Symbolbilder für Trauer um die Kinder und die Treue zum Volk Israel.

  • Ezechiel im Tal der trockenen Gebeine: Die prophetische Vision der Wiedererweckung des Volkes (Ez 37).

  • Aufstand im Warschauer Ghetto: Gedenken an den Mut und den Widerstand während der Shoah.

  • Sch'ma Israel: Das zentrale jüdische Glaubensbekenntnis.

  • Pioniere und Aufbau des Staates: Der physische Wiederaufbau des Landes durch Arbeit und Landwirtschaft.


Jerusalem - Menora vor der Knesset, private Stadtführungen auf Deutsch
Aufbau des Staates Israel

Rechter Innenarm

  • Bar-Kochba-Aufstand: Der verzweifelte Freiheitskampf gegen die römische Besatzung.

  • Messianische Hoffnung: Der jahrtausendealte Traum von der Rückkehr nach Zion.

  • Jakobs Kampf am Jabbok: Das Ringen mit dem Engel und der Erhalt des Namens „Israel“.

Rechter Mittelarm

  • Hillel lehrt: „Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht an.“

  • Chanina ben Teradion: Der Märtyrer, der trotz römischen Verbots die Tora lehrte.

  • Kabbala: Die jüdische Mystik und die Suche nach den Geheimnissen der Schöpfung.

  • Halacha (Jüdisches Gesetz): Die praktische Anwendung der Gebote im Alltag.

Rechter Außenarm

  • Jeremia beklagt Jerusalem: Die Trauer über die drohende und vollzogene Katastrophe.

  • Makkabäer-Aufstand: Der erfolgreiche Kampf für religiöse Freiheit (Hintergrund von Chanukka).

  • Chassidismus: Die Bewegung der Frömmigkeit, Freude und Herzensgebet.

  • Nehemia: Der Mut zum Wiederaufbau der Stadtmauern Jerusalems.


Mose hebt im Kampf gegen Amalek seine Hände empor (Exodus 17) - Relief auf der Menora in Jerusalem
Mose hebt im Kampf gegen Amalek seine Hände empor (Exodus 17)

Das zentrale Motto auf der Menora

Auf dem unteren Zweig der Menora ist die zentrale Inschrift aus dem Buch Sacharja eingraviert: „Nicht durch Heer oder Kraft, sondern allein durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sacharja 4,6)

Diese Zeile fasst das Herzstück der Menora zusammen: Der Fortbestand des jüdischen Volkes beruht nicht allein auf militärischer Stärke, sondern auf seinem geistigen und moralischen Fundament.


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