Herodion: Die spektakuläre Palastfestung und das Grab von König Herodes

Die südlich von Jerusalem gelegene Festung Herodion – mit dem majestätischen Grab des König Herodes – galt lange Zeit als Geheimtipp. Heute hat sie sich zu einer der faszinierendsten archäologischen Sehenswürdigkeiten des Landes entwickelt, die Besuchern neben tiefen historischen Einblicken auch ein spektakuläres 360-Grad-Panorama bietet.
Ein künstlicher Berg und eine grandiose Palastanlage
Im Jahr 24 v. Chr. begann König Herodes der Große mit dem Bau seiner ehrgeizigen Palastfestung auf einem 758 Meter hohen Hügel. Der paranoid veranlagte Herrscher wollte eine uneinnehmbare Zuflucht schaffen, in der er sich sicher fühlen konnte.
Um die Festung von Jerusalem aus sichtbar zu machen und eine beeindruckende Silhouette zu schaffen, ließ Herodes den Berg künstlich aufschütten. Aus der Ferne wirkt das Bauwerk daher wie ein erloschener Vulkan. Eine monumentale Steintreppe an der Nordseite führte die Besucher den Berg hinauf.
Am Fuße des Berges entstand das sogenannte "unterere Herodion" mit einem großzügigen Gästehaus, einer Gartenanlage und einem riesigen Swimmingpool – denn Herodes wollte seine Gäste unterhalten, vertraute ihnen aber nicht genug, um sie oben in der Festung unterzubringen.
Das Theater und das Grab von König Herodes
Selbstverständlich wollte Herodes auch in der Wüste nicht auf römischen Luxus verzichten. Auf halber Höhe ließ er ein intimes Theater für rund 400 Zuschauer errichten, inklusive einer prächtigen royalen Loge, die mit kunstvollen Fresken im Stile Pompejis dekoriert war.
In seinen letzten Lebensjahren entschied Herodes, sein Mausoleum an der Nordseite des Berges zu errichten. Hierfür ließ er Teile des Theaters wieder abtragen, um Platz für sein monumentales Grabmal zu schaffen. Nach seinem Tod im Jahr 4 v. Chr. wurde der König hier in einer pompösen Beisetzungszeremonie zur letzten Ruhe gebettet.
Vom Königspalast zum Versteck der Jüdischen Rebellen
Jahrzehnte nach Herodes’ Tod änderte sich die Funktion des Komplexes drastisch:
Erster Jüdischer Krieg (66–70 n. Chr.): Jüdische Rebellen (Zeloten) besetzten die Festung und nutzten sie gemeinsam mit Masada als wichtigen Stützpunkt gegen die römischen Legionen. Sie bauten Herodes’ ehemaligen Empfangssaal in eine Synagoge um und errichteten eine Mikwe (rituelles Bad) im Bereich der Palastgärten. Im Jahr 71 n. Chr. wurde die Festung schließlich von den Römern eingenommen.
Bar-Kochba-Aufstand (132–135 n. Chr.): Während des zweiten Aufstandes gegen Rom schlugen bis zu 2.000 jüdische Kämpfer ein ausgeklügeltes Tunnelsystem in das weiche Kalkgestein des Berges. Den Bauschutt versteckten sie geschickt in den riesigen unterirdischen Zisternen aus der Zeit des Herodes.
Die Entdeckung des Grabes durch Ehud Netzer
Über Jahrzehnte hinweg suchten Archäologen nach der letzten Ruhestätte des Königs. Es war das Lebenswerk des renommierten israelischen Archäologen Prof. Ehud Netzer, das Grab zu lokalisieren. Im Mai 2007 gelang ihm schließlich der Durchbruch: Er entdeckte die Überreste von drei prunkvollen Sarkophagen. Der aus rotem Kalkstein gefertigte Hauptsarkophag wird König Herodes zugeschrieben.
Die Sarkophage waren in Hunderte Teile zerschlagen worden – höchstwahrscheinlich von den Zeloten während des ersten Aufstands aus Hass auf den römisch-treuen Herrscher.
ragischerweise verunglückte Ehud Netzer im Oktober 2010 bei einem Sturz direkt an der Ausgrabungsstätte schwer und erlag wenige Tage später seinen Verletzungen im Hadassah Krankenhaus in Jerusalem. Seine Pionierarbeit wird jedoch bis heute durch laufende Ausgrabungen fortgesetzt.
Rundgang und Empfehlungen für Ihren Besuch
Ein Besuch des Herodion lässt sich optimal in folgende Etappen gliedern:
Besucherzentrum: Schauen Sie sich vor dem Aufstieg den Einführungsfilm an oder erleben Sie die multimediale Sound-and-Light-Show in der königlichen Loge des Theaters.
Aufstieg & Grabmal: Gehen Sie an den historischen Rollsteinen vorbei zum Theater und besichtigen Sie die Überreste des Herodes-Grabes.
Die Bergfestung: Steigen Sie über die monumentale Steintreppe nach oben und erkunden Sie die kreisförmige Festung mit ihren Türmen.
360-Grad-Aussichtspunkt: Genießen Sie von der Spitze den Rundblick über das Tote Meer und Jordanien im Osten, Jerusalem im Norden, Tekoa und Hebron im Süden sowie Bethlehem im Nordwesten.
Unterirdisches Tunnelsystem: Steigen Sie durch die faszinierenden Bar-Kochba-Tunnel hinab, die Sie zurück zum Ausgang führen.
Praktische Reisetipps für das Herodion
Anreise: Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nur eingeschränkt möglich. Die Anfahrt mit dem eigenen Mietwagen oder einer geführten Tour wird dringend empfohlen.
Ausrüstung & Barrierefreiheit: Festes Schuhwerk und gute Trittsicherheit sind erforderlich. Die Anlage ist für stark gehbehinderte Personen oder Rollstuhlfahrer nur sehr eingeschränkt zugänglich.
Versorgung: Trinken Sie ausreichend Wasser! Außerhalb des Besucherzentrums am Fuße des Berges gibt es keine Sanitäranlagen oder Wasserspender.
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